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12.05.2026

"Steuerliche Bevorzugung der Ehe beenden": Petition fordert individuelle Besteuerung

Eine Petition fordert eine Reform des Steuerrechts mit dem Ziel, "die steuerliche Bevorzugung der Ehe zu beenden und durch eine individuelle Besteuerung zu ersetzen". Das Steuersystem solle an die heutige gesellschaftliche Realität angepasst werden und alle Lebensmodelle unabhängig vom Familienstand gleichbehandeln. Die gezielte Unterstützung von Menschen mit Kindern soll der Petition zufolge "ausdrücklich" erhalten bleiben.

Das derzeitige Steuersystem in Deutschland bevorzugt aus Sicht des Petenten bestimmte Lebensmodelle, insbesondere die Ehe mit ungleichen Einkommensverhältnissen. Durch Instrumente wie das Ehegattensplitting würden verheiratete Paare steuerlich entlastet – unabhängig davon, ob beide Partner erwerbstätig sind oder nicht. Diese Regelung basiere auf einem gesellschaftlichen Leitbild, das heute so nicht mehr der Realität entspricht.

In der Vergangenheit sei die Ehe häufig durch eine klare Rollenverteilung geprägt gewesen, bei der ein Partner (meist die Frau) nicht erwerbstätig war und finanziell mitversorgt wurde. Heute hingegen seien Doppelverdiener-Haushalte weit verbreitet, und die Zahl der alleinstehenden Personen sei deutlich gestiegen. Gleichzeitig hätten sich Lebensentwürfe pluralisiert.

Trotz dieser Veränderungen bestünden steuerliche Vorteile fort, die an den Familienstand geknüpft sind. Das führt laut Petition dazu, dass alleinstehende Personen im Vergleich häufig eine höhere finanzielle Belastung tragen, obwohl sie ihre Lebenshaltungskosten allein decken müssen. Dadurch entstehe eine strukturelle Ungleichbehandlung, die dem Prinzip der steuerlichen Neutralität widerspricht.

Ähnliche Strukturen fänden sich auch im Beamtenrecht, etwa beim Familienzuschlag, bei dem der Familienstand weiterhin eine Rolle spiele. Auch hier stelle sich die Frage, ob eine solche Differenzierung noch zeitgemäß ist oder an die heutige gesellschaftliche Realität angepasst werden sollte.

Ziel eines modernen Steuersystems sollte es aus Sicht des Petenten sein, individuelle Leistungsfähigkeit zu besteuern – nicht den Beziehungsstatus. Unterschiedliche Lebensmodelle sollten nicht unterschiedlich bewertet oder finanziell beeinflusst werden. Wichtig ist der Petition dabei, dass sich diese Forderung ausdrücklich nicht gegen die Unterstützung von Menschen mit Kindern richtet. Im Gegenteil sollte staatliche Förderung gezielt dort ansetzen, wo tatsächliche Verantwortung übernommen wird – etwa bei der Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen.

Die Reform des Steuerrechts sollte daher darauf abzielen, die Gleichbehandlung aller Menschen unabhängig vom Familienstand zu gewährleisten und gleichzeitig familienpolitische Leistungen sinnvoll und gerecht auszugestalten. Die Petition verstehe sich als Anstoß, die bestehende Regelung im Lichte der heutigen gesellschaftlichen Realität zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Die Frist für die Mitzeichnung läuft am 12.05.2026 ab.

Deutscher Bundestag, Petition vom 18.03.2026